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07.02.2019

Im Interview: Spielerberater

Hart aber Herzlich, Auf den Spuren eines Spielerberaters

12 Fragen an Klaus Hille von der Sports Consulting Group, eine der einflussreichsten Agenturen Deutschlands. – der Artikel erschien im Turnierheft 2018 –

Sie bestimmen das sportliche geschehen, doch selten wird über sie geredet: Spielerberater. Wir haben nachgefragt bei Klaus Hille aus Düsseldorf, dem gründer der SCG.

 

Wer und was steckt hinter der SCG?

Klaus Hille: Die Sports Consulting Group ist eine deutsche Eishockeyspieler-Vermittlungsagentur. Ich habe die Firma Anfang der 90er Jahre gegründet und dieses anfängliche Hobby dann 1998 zu meinem Hauptberuf gemacht. Seit über zehn Jahren gehören zur SCG noch meine beiden Partner, Andrei Trefilov und Jay Luknowsky. 

 

Wie sieht der Alltag als Spielerberater aus?

Wir haben natürlich viel telefonischen Kontakt zu unseren Spielern und zu den Clubs. An den Wochenenden werden Spiele besucht, um auch den persönlichen Kontakt zu pflegen. Außerdem stehen immer wieder Spiele im Nachwuchsbereich auf dem Plan. Hier gilt es auch, Gespräche mit Eltern zu führen und die jungen Spieler zu begleiten.

 

Wie wird man eigentlich Spielerberater?

Viele meiner Kollegen sind ehemalige Eishockeyspieler. Ich hatte einen anderen Weg und bin über meinen ehemaligen Arbeitgeber zum Eishockey gekommen. Wir haben damals einen Marketingplan für einen deutschen Club erstellt, wodurch ich in Kontakt zu einigen Spielern gekommen bin, die mich nachher dann um Rat gefragt haben. Daraus hat sich für mich eine Leidenschaft für den Sport und vor allem für die Spielerberatung entwickelt, die ich zu meinem Hauptberuf gemacht habe. Man sollte als Vermittler natürlich eine Lizenz bei der DEL haben.

 

Wie sieht der Weg aus dem Nachwuchs in den Profibereich aus?

Training, Training, Training! Talent alleine reicht nicht aus, man muss auch die Einstellung haben, hart für seine Ziele arbeiten und sich täglich verbessern zu wollen. Außerdem braucht man dann natürlich einen guten Berater.

 

Was muss ich als Spieler mitbringen, was erwarten die Vereine von jungen Talenten?

Im Grunde ist das schon in der vorherigen Frage beantwortet. Neben überdurchschnittlichem Talent erwarten die Clubs Anpassungsfähigkeit und Teamfähigkeit. Disziplin ist besonders wichtig. 

 

Was verdient ein Eishockeyprofi?

Das variiert natürlich stark. In der NHL können es Millionen sein, siehe Leon Draisaitl. Wenn man es nur zur Oberliga schafft, sollte man definitiv eine gute Schul- und Ausbildung haben. In der DEL kann man allerdings schon überdurchschnittliche Gehälter erreichen, wenn man hart arbeitet.

 

 

 

 

Was zeichnet die SCG als Spielervermittler aus?

Unser Fokus liegt auf dem persönlichen und individuellen Service und der Rundum-Beratung. Es ist uns wichtig, den regelmäßigen Kontakt zu den Spielern und Clubs zu pflegen und jederzeit für alle Fragen und Sorgen der Spieler erreichbar zu sein. Das gilt natürlich besonders bei den jungen Talenten auch für deren Eltern. 

 

Welche Spieler berät die SCG, welche Unterschiede gibt es von Spieler zu Spieler?

Wir beraten Spieler in vielen Ligen Europas und Nordamerikas. Dabei liegt unser Hauptfokus auf den deutschen Ligen, schon alleine aufgrund unseres Standortes. Die Spanne reicht vom jungen Nachwuchstalent bis zum erfahrenen „alten Hasen“. Zum Beispiel vertreten wir die derzeitigen Olympia-Nationalspieler Leo Pföderl, Patrick Reimer, David Wolf und natürlich Yasin Ehliz.

 

Worauf achtet ihr beim Scouting von Nachwuchsspielern und ab welcher
Altersklasse wird man beobachtet?

Der Nachwuchs ab 14 Jahren wird beobachtet. Generell achten wir auf läuferisches Potential, Spielverständnis und Teamfähigkeit. Mit unserer Erfahrung haben wir mittlerweile auch ein Auge für außergewöhnliches Talent. 

 

Wie komme ich zu einem Spielerberater, ab wann benötige ich einen und worauf muss ich bei der Wahl des Beraters achten?

Am besten fragt man erst mal beim
Trainer nach, ob der bei der Wahl des Spielerberaters helfen kann. Oder man spricht mit älteren Spielern. Das heißt, man sollte so viele Informationen wie möglich über die verschiedenen Berater sammeln. Erfahrungen älterer Spieler sind da wahrscheinlich das beste Kriterium. Wenn man sich dann entschieden hat, kontaktiert man den Berater und lernt sich kennen. Bei der Wahl des Beraters sollte man in erster Linie darauf achten, dass man sich wohl und gut aufgehoben fühlt. Im letzten Jahr des Juniorenbereichs etwa sollte man sich einen Berater suchen, der zu einem passt.

 

Wie sieht die Perspektive für junge Spieler in der Zukunft aus, was hat sich im Lauf der Zeit geändert?

Bedingt durch viele ausländische Spieler ist es schwierig geworden für junge deutsche Talente, den direkten Sprung in die DEL zu schaffen. Daher geht meist der Umweg über die Oberliga oder die DEL2. 

 

Wie sieht die Begleitung und Perspek-
tive nach der Karriere aus? 

Nach Karriereende pflegen wir weiterhin freundschaftlichen Kontakt zu unseren ehemaligen Klienten. Bei Interesse der Ehemaligen, weiterhin im Bereich Eishockey tätig zu sein, zum Beispiel als Trainer, Betreuer oder Physiotherapeut, sind wir gerne bereit, mit unseren Kontakten weiterzuhelfen. Generell ist aber zu sagen, dass eine Berufsausbildung für die Zeit nach der Karriere als professioneller Sportler ungeheuer wichtig ist!

 

scg klaus hille

 

Mit Adleraugen verfolgt Klaus Hille das Spielgeschehen und wie sich seine Schützlinge auf dem Eis präsentieren. 

 

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